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Der Lyriker und Hörspielautor Günter Eich stammt
aus Lebus an der Oder, wo er bis 1918 die für sein Leben und seine
Dichtung prägenden Kindheitsjahre verlebt hat. Bereits seit 1929
arbeitete Eich für den Rundfunk und gilt als einer der produktivsten
Hörspielautoren in der Pionierzeit des Mediums. Während der
dreißiger Jahre agierte er im Umfeld der Lyrikergruppe "Kolonne", wo
er mit Autoren wie Eberhard Meckel, Hermann Kasack und Peter Huchel
bekannt wurde. In der Nachkriegszeit wirkte der Lyriker mit
Gedichten wie "Inventur" und "Latrine" (beide 1948) prägend für eine
Schreibweise, die unter dem Schlagwort "Kahlschlagliteratur" bekannt
geworden ist. Auch während der fünfziger Jahre war er, beginnend mit
der Erstsendung des Hörspiels "Träume" (1951), einer der
meistgefragten Hörspielautoren im Westen Deutschlands. Als
Gründungsmitglied der Gruppe 47, als ihr erster Preisträger und als
eine zentrale Figur des bundesdeutschen Literaturbetriebs hatte Eich
(zum Teil ungewollt) großen Anteil an der Politisierung der
Literatur, die ihn zu einem Mentor der 68er Bewegung werden ließ.
In jüngster Zeit (1993/94) wurde anhand eines neu
aufgefundenen Hörspiels ("Die Rebellion in der Goldstadt", 1940) in
einer vielbeachteten Feuilletondebatte die Verstrickung des Autors
in den national-sozialistischen Kulturbetrieb thematisiert.
Die geplante Ausstellung, bei der es sich um die
erste Exposition zu Günter Eich im Osten des Landes handelt, soll
einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über den Umgang mit der
totalitären Vergangenheit Deutschlands leisten. Im Umfeld der
Debatten um Daniel Goldhagens Thesen zum Antisemitismus in
Deutschland, die Friedenspreisrede Martin Walsers und um die Rolle
der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg beansprucht die
Auseinandersetzung um das Verhalten Günter Eichs im Dritten Reich
ungebrochene Aktualität. Dabei soll es nicht darum gehen, die
Bedeutung des Autors in den 50er und 60er Jahren nachträglich mit
Hinweis auf dessen Mitläufertum während der Nazi-Zeit zu
denunzieren, sondern vielmehr eine Entwicklung nachzuzeichnen, die
in der Konsequenz machtkritischen Engagements mündet. Katalog und
Ausstellung werden den aktuellen Quellenstand zum Thema
zusammenfassend präsentieren. Mit der Darstellung von Eichs
widerspruchsvoller Biographie und seinem literarischen Werk soll
zugleich ein Identifikationsangebot für Besucher geschaffen werden,
deren Lebensgeschichte oftmals von vergleichbaren politischen
Brüchen geprägt ist. Die Beschreibung der gespaltenen
Wirkungsgeschichte Eichs in Ost und West vermittelt zugleich einen
Einblick in die wechselseitige Beziehung von jüngster Zeit- und
Literaturgeschichte.
Bei der Auswahl der Dokumente konnte u.a. auf
Bestände des Deutschen Literaturarchivs in Marbach und des Deutschen
Rundfunkarchivs zurückgegriffen werden. Begleitend zur Ausstellung
wird ein Katalog und eine CD erscheinen. Der Katalog enthält neben
Abbildungen der in der Ausstellung präsentierten Bildzeugnisse auch
einige bisher unveröffentlichte Texte Eichs sowie sechs Beiträge,
die in der Summe einen Überblick über Leben und Werk des Autors
vermitteln. Als Beiträger konnten u.a. die Herausgeber der
Eich-Werkausgabe im Suhrkamp Verlag, Karl Karst und Axel Vieregg,
gewonnen werden. Die CD wird Tonbeispiele aus Hörspielen Eichs sowie
Ausschnitte von Lesungen eigener Gedichte enthalten.
Die Ausstellung wird dauerhaft in Lebus, dem
Geburtsort Günter Eichs, zu sehen sein.

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Ausstellungsort: Lebus
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Der Begleitband zur
Ausstellung (mit CD)
erscheint im
Lukas Verlag Berlin.
Lieferung erfolgt
gegen Rechnung |
Eine Ausstellung der Geschäftsstelle
Märkische Dichterlandschaft
und des
Brandenburgischen Literaturbüros |